Adam Kaplan & Gilad Baram

The Disappeared

Adam Kaplan
* 1987 in Jerusalem, ISR, lebt und arbeitet in Berlin, GER
studierte an der Bezalel Academy of Art and Design in Jerusalem, ISR und der Akademie der bildenden Künste Wien, Vienna, AUT

Gilad Baram
* 1981 in Hadera, ISR, lebt und arbeitet in Berlin, GER
studierte an der Bezalel Academy of Art and Design in Jerusalem, ISR

Die Freiheit der Meinungsäußerung und die Kunstfreiheit sind Grundrechte, die jedem Menschen zustehen. Die Künstler Adam Kaplan und Gilad Baram setzen sich mit ihrem Werk The Disappeared für einen gleichnamigen israelischen Spielfilm aus dem Jahr 2000 ein, dessen Regisseur*innen, darunter ein leitender Offizier der Armee, diese Rechte verwehrt wurden. Der damals fast vollendete Film machte auf die ansteigende Zahl von Suiziden unter Soldat*innen in der israelischen Armee aufmerksam, wurde jedoch vor seiner Fertigstellung zensiert und ist heute nur noch über die Erinnerungen der Beteiligten zugänglich. Auf diese Zensur verweisend, zeigt die aktuelle Videoarbeit von Kaplan und Baram lediglich schwarzen oder weißen Hintergrund. Zugleich bedienen sich die Künstler jedoch der zeit- und grenzenlosesten Technologie, um Bilder zu erschaffen: der Fantasie. Ohne ein Bild, das die Vorstellungskraft einschränkt, werden die einzelnen Aussagen aus dem Off in den Fokus gerückt. Die Leere der Leinwand wird durch kontrastierende Untertitel gesteigert. Unterlegt ist das Video mit originalen Tonaufnahmen und der Filmmusik von Eldad Lidor. Das Werk wird mit einer Rezitation der letzten beiden Szenen des Original-Drehbuches eröffnet und abgeschlossen. Dazwischen werden Interviews mit damals beteiligten Schauspieler*innen (u. a. die Hauptdarsteller Lior Ashkenazi und Nataly Attiya) mit ihren persönlichen Erfahrungen und Erinnerungen an den Dreh des Spielfilms und Ansichten der Spokespersonʼs Film Unit, die die damalige Produktion personell, rechtlich und finanziell unterstützte, thematisiert. Ebenso werden gesellschaftliche Sichtweisen und zugrundeliegende Zahlen zu Suiziden unter Soldat*innen präsentiert. Die hierarchisch organisierte israelische Armee begann erst nach starkem Druck der Bevölkerung auf das Verteidigungsministerium, Herabwürdigungen für betroffene Soldat*innen und ihre Angehörigen abzuschaffen und Daten zu Suiziden systematisch zu erfassen. Gemäß den Aussagen der Beteiligten war The Disappeared jedoch kein Film, der ausschließlich die ansteigende Zahl der Suizide im Afghanistan-Krieg darstellte. Produziert von dem Offizier, in Zusammenarbeit mit den Darsteller*innen, sollte der Film, dessen Budget auf eine Million US-Dollar geschätzt wurde, eine vielschichtige Handlung bieten. Die institutionelle und gesamtgesellschaftliche Wirkung des Films bleibt aufgrund der frühzeitigen Zensur Spekulation, jedoch zeigen Kaplan und Baram in ihrer Arbeit, dass sich Erinnerungen nicht zensieren, wohl aber wieder beleben lassen.

Lena Hortian

Artist Statement
The Disappeared is an experimental documentary unraveling the story of an eponymous film that was denied the right of appearance and left to languish in the limbo of censorship. As such, it is a film that is available only via the recollections of the individuals who took part in its creation. Black screens, which usually stand for "nothingness" in the cinematic syntax, become its pivotal visual element as The Disappeared embraces the absence of the material that stands at its core.

Adam Kaplan & Gilad Baram